Karlsruhe-Kompass: Ein Entwurf für eine bessere Stadt-App

Ich wollte nur wissen, wie ich einen Termin für einen Personalausweis machen kann. Zwanzig Minuten später hatte ich drei Tabs offen, ein PDF heruntergeladen und immer noch keine Antwort. (Ein bisschen überspitzt, aber so fühlt es sich an.)

Die offizielle Karlsruhe.App funktioniert leider nicht so, wie sich viele das wünschen. Das ist nicht nur mein Eindruck, das zeigen auch die Bewertungen im App Store und bei Google Play.

Also habe ich mich gefragt: Wie würde eine Stadt-App aussehen, die ich selbst gerne nutzen würde? Natürlich hätte ich auch einfach eine Bewertung im App Store schreiben können. Aber wo bleibt da der Spaß?

Das Ergebnis heißt Karlsruhe-Kompass. Wichtig vorweg: Er ist ein Prototyp und Diskussionsentwurf, keine offizielle App der Stadt.

Drei Screenshots des Karlsruhe-Kompass. Links die Startseite mit Suchfeld, der nächsten Abfuhr (Donnerstag, Wertstoff und Papier) und Kacheln für häufige Anliegen wie Umziehen, Personalausweis und Reisepass. In der Mitte der Abfuhrkalender für die Karl-Friedrich-Straße 10 mit den nächsten Terminen und einem Hinweis auf einen Ausfall. Rechts das Anliegen Personalausweis beantragen mit Gebühr und den nächsten freien Terminen in den Bürgerbüros.

Was sie kann

Die Daten sind alle schon da. Öffentlich. Nur eben verstreut über viele Seiten und sortiert nach Ämtern. Ich denke aber nicht in Ämtern, sondern in Anliegen: Ich ziehe um. Mein Ausweis läuft ab. Die Tonne muss raus.

Der Karlsruhe-Kompass bringt deshalb alles an einen Ort, sortiert nach Anliegen statt nach Ämtern:

Technische Details für Nerds

Grenzen und Wünsche an die Stadt

Der Prototyp nutzt Schnittstellen, die nicht offiziell dokumentiert sind. Das heißt: Er kann morgen kaputt sein. Dann weiß ich wenigstens, dass jemand mitliest.

Dabei ginge vieles mit wenig Aufwand sauberer:

Die Zukunft?

Muss man das größer denken? Jede Stadt baut ihre eigene App, mit eigenem Budget und eigenen Schwächen. Dabei sind die Anliegen fast überall gleich. Man zieht um, braucht einen Ausweis, will wissen, wann die Tonne raus muss. Wenn Städte ihre Daten und Dienste über offene Schnittstellen anbieten würden, könnte jede*r ein Frontend darauf bauen. Auch eins, das tatsächlich barrierefrei ist. Die Stadt müsste dann keine perfekte App mehr bauen. Es würde reichen, wenn die Daten zuverlässig da sind.

Und wenn man noch einen Schritt weiter geht: Warum sollte ich einen Termin nur auf der Seite der Stadt buchen können? Mit offenen Schnittstellen ginge das auch über eine Drittwebsite. Oder über einen Agenten, dem ich sage „Ich brauche einen neuen Ausweis, am liebsten nächste Woche vormittags in Durlach“ und der den Rest erledigt. Technisch ist das kaum noch ein Problem. Schwieriger wird es bei der Frage, wem ich meine Daten anvertraue, wer haftet, wenn etwas schiefgeht, und ob das am Ende alle nutzen können oder nur die, die sich mit KI auskennen.

Ich glaube trotzdem: Das kommt. Die Frage ist nur, ob die Städte es mitgestalten oder ob es an ihnen vorbei passiert.

Liebe Stadt Karlsruhe, ich hätte da ein paar Ideen. Meldet euch. Alle anderen gerne auf Mastodon.

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